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Ein Beitrag von
Timothy Oesch
Generalsekretär

Zu Tode gespart.

Eine kommt nach der Anderen. Immer und immer wieder. Wir könnten fast schon unsere Uhren nach ihnen stellen. Die Rede ist von Sparmassnahmen im Sozialbereich, konkret in der Bildung.

In verschiedensten Kantonen wurden in den letzten Monaten wieder Massnahmen vorgeschlagen, welche die Ausgaben im öffentlichen Bildungsangebot verkleinern sollen. Eine Minderung des Auftrags eines modernen Staats stellt dies meiner Meinung nach ganz klar dar. Ein Affront der bürgerlichen Spar- und Steuerreduktionsagenda gegen die bildungspolitischen Errungenschaften der Aufklärung.

Die Einschnitte sind subtil und teilweise kaum bemerkbar. Einige Kantone sind hier schlau wie Füchse: Im Aargau präsentierte die Rektor*innenkonferenz vor kurzem das „Unterrichtsmodell 2019+“, welches 3 Massnahmen mit sich bringen wird. Zwei dieser Ansätze würde ich als herkömmliche Massnahmen bezeichnen, welche ohnehin „nur“ die finanziell schwächeren Schüler*innen betreffen werden: Beispielsweise werden die Schüler*innenpauschale für Lehrmittel und die Investitionen im Unterrichtsbereich um rund 6 % gekürzt. Eine solche Kürzung kann nicht ohne qualitative Einbussen oder die Diskriminierung der sozial schwächeren Schüler*innen geschehen. Entweder werden den Schüler*innen regelrecht die Bücher aus den Händen gespart, oder die sich Bildenden müssen selbst für ihre Materialien aufkommen, was wohlbemerkt bisher ab einer gewissen Schulstufe bereits der Fall ist.Die radikale Massnahme betrifft jedoch alle am Bildungsprozess Beteiligten: Eine Schullektion soll künftig nicht mehr nur 45, sondern 80 Minuten dauern. Genial! Wieso braucht ein Mensch, dessen Aufmerksamkeitsspanne sich, basierend auf unzähliger Studien, auf ungefähr 20-30 Minuten beläuft, auch alle 45 Minuten eine Pause? Daniel Franz, Präsident der Rektor*innenkonferenz, wird in der Aargauer Zeitung wie folgt zitiert: „Es ist pädagogisch unbestritten, dass längere Unterrichtssequenzen auf der Stufe Sek II für die Schülerinnen und Schüler besser sind als die klassischen Lektionen, die getaktet sind und exakt 45 Minuten dauern.“ Wer von dieser Aussage ernsthaft überzeugt ist, hat sich in den letzten 25 Jahren seines Lebens nicht ein einziges Mal in einer Schulklasse befunden. Natürlich stimme ich Herrn Franz zu, dass weniger Fächer an einem Tag sinnvoll sind. Doch dies mit der Verlängerung einer Lektion auf 80 Minuten zu erreichen, hat nichts mit dem pädagogischen Wert zu tun. Wir sprechen hier von einem obrigkeitshörigen Kniefall der Rektor*innen gegenüber dem Kanton. Verwerflich? Nein, wer möchte schon seinen Job verlieren. Sinnvoll? Ebenso wenig.

 

 

Andere Kantone versuchen ihre Sparmassnahmen nicht mehr zu verstecken: Der Kanton Luzern mit Zwangsferien und Schulschliessungen, der Kanton Zürich mit der “Optimierung der Klassengrössen” und der Erhöhung der Pensen von Sprachlehrpersonen für den gleichen Lohn. Dennoch wird im Kanton Zürich immer gerufen: “Aber wir sparen doch nicht! Wir frieren die Ausgaben nur auf dem Stand 2016 ein und erhöhen damit die Ausgaben nicht mehr.” Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Stellen Sie sich vor, liebe Lesende, dass Sie Kinder haben. Sagen wir 9 und 11 Jahre alt. Stellen Sie sich vor, dass sie mit ihnen abgemacht haben, dass sie ab dem zehnten Altersjahr Taschengeld bekommen. Mit zehn Jahren zehn Franken pro Woche. Mit elf, elf. Mit 12, 12. Sie sehen das System. Das elfjährige Kind bekommen im Jahr also 572 Franken, das Neunjährige noch nichts. Im nächsten Jahr würde das Ältere dann 624 Franken bekommen, das Jüngere zum ersten Mal 520 Franken. Nun teilen Sie ihren Sprösslingen im ersten Jahr mit: „Ja, liebe Kinder, ich habe mich dazu entschlossen, dass ich die Taschengeldausgaben auf Grund von problematischen Zukunftsprognosen, die möglicherweise nicht eintreffen werden, auf vielen, vielen Variablen beruhen und die letzten Jahre gezeigt haben, dass diese Prognosen falsch sein können, zu plafonieren. Ich spare aber nicht, ich gebe nur nicht mehr aus!“ Ergo bedeutet das folgendes: Im nächsten Jahr würde dann das ältere Kind nicht 624 Franken im Jahr bekommen, sondern nur noch 286, weil es ja sein bisheriges Taschengeld mit dem jüngeren teilen muss. Das jüngere würde dann zwar auch 286 Franken bekommen, was zwar einem Anstieg von 286 Franken zum Vorjahr entspricht, doch nicht den versprochenen 520 Franken.In der Zürcher Mittelschulbildung funktioniert es recht analog: Zwar sind die Kinder aus dem vorherigen Beispiel nicht effektive Schulkinder, sondern eher der Bildungsauftrag, welchen die Mittelschulen haben, jedoch alle anderen Faktoren sind zu übernehmen: Nicht nur haben wir einen Zuwachs der sich Bildenden, auch haben wir beispielsweise einen Kostenanstieg der Schulmaterialien: Wer hätte vor nur 15 Jahren gedacht, dass fast jeder Schüler*, jede Schülerin* das Arbeiten am Computer in den Schulen lernen wird. Wer hätte vor 10 Jahren gedacht, dass es Pläne geben wird, den Papierverbrauch der Schulen durch die Verwendung von Tablet Computern und dergleichen zu minimieren? Die Schulen müssen Einrichtungen bleiben, welche sich dem Zeitgeist anpassen. Die Digitalisierung gehört definitiv dazu. Das ökologische Bewusstsein vieler Bildungseinrichtungen ist oftmals sehr zu bewundern. An meiner ehemaligen Schule beispielsweise wurden schon früh Solarzellen zur Stromproduktion auf den Dächern montiert. Wir hatten einige Projekte, als Beispiel mit Wetterballons, die verschiedenste Daten lieferten. Die Sensibilisierung der Schüler*innen für eine Unmenge an Themen, die vielleicht nicht im Lehrplan festgehalten sind, findet an den Schulen, an der Sie einen Grossteil ihrer Jugend verbringen werden, statt. Freiwillige Projekte, die dieses Bewusstsein fördern sollen, werden durch die Plafonierung der Ausgaben im Bildungsbereich, ich rede nicht mehr vom bösen Sparen, sterben.

Der Kampf gegen die Sparmassnahmen im Sozialbereich, der Meinung der USO nach vor Allem in der Bildung, muss weiter gehen. Wir dürfen uns nicht zur Ruhe setzen. Die bürgerlich dominierte Politik wird, wir haben unsere Uhren, präzise wie Schweizer Standards es besagen, nach den wiederkehrenden Ideen gestellt, wieder mit einem Sparpaket kommen. Überall. Bleiben wir am Ball, denn wir haben #KeLoscht auf Abbau bei der Bildung!

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